“Konfrontation. Deeskalation. Kommunikation”

29. bis 31. März 2010

Ausgangspunkt

Es ist kein Novum, dass sich im Schulalltag, aber auch im Rahmen Berufsvorbereitender Bildungsmaßnahmen Spannungen, Konflikte, oftmals aggressionsgeladene Auseinandersetzungen ereignen können, die nicht zuletzt den Ausbildungsverlauf nachhaltig negativ beeinflussen.

Bisweilen ist das Verhältnis zwischen Ausbildern/Lehrmeistern/Pädagogen und den Teilnehmern einer Bildungsmaßnahme belastet, oder es lässt sich ein problematischer, aggressiver Umgang unter den Jugendlichen konstatieren.

Primär gelten die existenten individuellen Hintergründe vieler junger Erwachsener und die damit verbundenen ungünstigen Ausgangsbedingungen (niedriges Bildungsniveau, „schwieriges“ soziales/familiäres Umfeld, Gewalterfahrungen, mangelnde Kommunikationskultur) als Hauptursachen für bestehende Dispute. Hinsichtlich der Konflikte zwischen Jugendlichen und Pädagogen greift diese Erklärung als autonomes Motiv jedoch zu kurz.

Neben strukturell und zeitlich bedingten Hindernissen im Schul- und Ausbildungsalltag lassen sich dort vor allem mangelnde Kommunikations- und Partizipationsmöglichkeiten sowie die Absenz konstruktiver Lösungsstrategien als entscheidende Faktoren bei der Verfestigung der zu beobachtenden Konflikte benennen.

Zielstellung und Konzeption

Im Rahmen des Seminars “Konfrontation. Deeskalation. Kommunikation” sollen junge Erwachsene einerseits dazu befähigt werden, in Konfliktsituationen mit adäquaten Bewältigungsstrategien zu reagieren, Gewaltsituationen frühzeitig zu erkennen und ein gewaltfreies Alltagsverhalten praktisch einzuüben.

Diesbezüglich ist es notwendig, sich möglichst offen und enttabuisierend dem Phänomen Jugendgewalt, seiner Entstehung, Bedeutung und Folgen zu nähern.

Überdies sollen subjektiv erlebte Engpässe und Missverständnisse innerhalb der Bildungsmaßnahme der jeweiligen Institution benannt und Erwartungen an andere Teilnehmer und Pädagogen kommuniziert werden.

Ein wichtiges Ziel besteht darin, die Jugendlichen zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen und Selbstkritik zu üben, aber auch notwendige Kommunikationsregeln zu erproben, um Ausbildende für ihre Belange sensibilisieren zu können. In diesem Zusammenhang erscheint es unausweichlich, bestehende Verhältnisse zu analysieren und zu hinterfragen sowie Partizipationsmöglichkeiten zu eruieren und aufzuzeigen.

Die Rolle der Referenten

Unser Team besteht aus einem Sozialpädagogen und einer Medienpädagogin, die neben ihrer hauptamtlichen Tätigkeit (in Einrichtungen der Jugendhilfe, im Bildungsnetzwerk Magdeburg) auch Anti-Gewalt-Trainings im geschlossenen Strafvollzug begleiten.

Dank der jahrelangen Erfahrungen in der Arbeit mit sozial benachteiligten, delinquenten und inhaftierten Jugendlichen verfügen unsere Referenten über einen optimalen Zugang zu jungen Erwachsenen in komplizierten Lebenslagen.

Trainingsprogramme zur Gewaltprävention, Konfliktlösung oder Vermeidung aggressiver Verhaltensdispositionen richten sich in der Praxis ausschließlich an junge Menschen, die bereits mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind.

Wir wissen, dass der Erwerb notwendiger kommunikativer und deeskalierender Kompetenzen sowohl für die Gestaltung des Schul- und Ausbildungsalltags als auch des weiteren Lebensweges unentbehrlich ist, vor allem jedoch bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Um wirklich effizient arbeiten zu können, ist es notwendig, gemeinsam mit den Jugendlichen Strategien zu entwickeln, die im engen Bezug zu ihrer aktuellen Lebenswelt stehen, die nachvollziehbar und für sie selbst praktizierbar sind.

Die intensive Interaktion aller Teilnehmenden auf vergleichsweise neutralem Boden sowie die Auseinandersetzung mit einem in dieser Lebensphase favorisierten Thema erweisen sich als überaus günstig für den Verlauf der angestrebten Prozesse.

Referenzen

  • Durchführung sozialer Trainingskurse in der JA Raßnitz mit inhaftierten männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen
  • Sozialpädagogische Gruppenarbeit in der JVA Halle III mit inhaftierten männlichen Jugendlichen, Heranwachsenden und Jungtätern (Freigänger)
  • Beschäftigung in der Jugendgerichtshilfe
  • Aktive Medienarbeit im Rahmen des Forschungs-Praxis-Projektes „(Selbst-)Darstellung sozial benachteiligter Gruppen in den Medien“ (HS Merseburg, FB S.M.K.) in der JA Raßnitz und JVA Halle III mit inhaftierten männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen (filmische Eigenproduktionen: „Zwischen Kriminalität und Drogensucht. JA Raßnitz – ein Leben hinter Mauern“, bes. Anerkennung Dieter-Baacke-Preis 2006, Jugendkulturpreis 2006)
  • Begleitung von Anti-Gewalt-Trainings in der JVA Naumburg mit männlichen erwachsenen Gewaltstraftätern